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Erinnerung an Annedore Schultze

Annedore Schultze am 11.07. verstorben


Gedanken zum Tod von Annedore Schultze

von Dietrich Redecker

Eben erreicht mich die Nachricht, dass Annedore Schultze gestorben ist.
Mit Trauer und mit Dankbarkeit denke ich an eine lange und intensive Beziehung zu ihr zurück.
Sie hat mich Anfang der 1970er Jahre mit ihrem Engagement dafür begeistert, die Menschen an einen Tisch zu bringen, die Sachverhalte und Probleme von unterschiedlichen Seiten zu betrachteten.
Im „Westfälischen Kooperationsmodell“ brachte sie Lehrende, Eltern und Schüler zusammen an einen Tisch, um ein förderliches Miteinander in der Schule zu gestalten.
Wo auch immer sie auftrat, sie versuchte, Polaritäten aufzulösen oder zu vermeiden.
Sie hat mich und viele, viele andere Menschen als TZI-Lehrerin mit ihrer Art zu Lehren begeistert und lange Zeit fördernd begleitet.
Annedores vehementes Engagement hat maßgeblich bewirkt, dass aus WILL Rheinland ein WILL Rheinland-Westfalen und später RCI Rheinland/Westfalen geworden ist.
In den Wirren um das Entstehen von WILL International war sie oftmals wie ein Fels in der Brandung. Mit an ihre Grenzen gehender Energie und ganzer Emotionalität kämpfte sie für dieses Projekt und wurde die erste Präsidentin von WILL International.
Hier im regionalen Graduiertenkreis waren wir einige Jahre das Sprecherteam.
Wie oft haben wir abends nach gemeinsamen Kurstagen lange zusammengesessen und neue Projekte geschmiedet, aber auch gelacht und mit Teilnehmenden große und kleine Themen der Weltgeschichte oder religiöse und philosophische Themen erörtert.  An allem, was Menschen erleben können, war sie sehr interessiert.
Gemeinsame Planung von Seminarsitzungen verliefen meistens so, dass wir abends den Tag mit seinem Arbeitsprozess analysierten, dann aber bestand sie darauf,  den Verlauf der nächsten Sitzungen beim Frühstück zu planen. Das hat zu meinem Erstaunen dank ihrer großen Erfahrung und Kreativität immer funktioniert.
Oftmals habe ich mich mit anderen Menschen zusammen gefragt, woher sie ihre schier unendliche Energie nahm. Nach einem späten Abend war sie schon 2 Stunden im Büro in Vlotho gewesen, wenn sie zum Frühstück kam.
Doch dann wurde es plötzlich still um sie. Die Krankheit, die ihren immer so klaren Geist verwirrte, nahm sie immer mehr in Besitz. Schon vor etlichen Jahren, bei meinem letzten Besuch in Bad Oynhausen, wo sie aufopferunsvoll von Sr. Bernardis gepflegt wurde,  erlebte ich sie so verwirrt, dass sie mich nicht mehr erkannt hat.
Ich bin froh und dankbar, sie kennen gelernt und viele Tage und Stunden mit ihr verlebt zu haben.
Ich bin sicher, dass sie erlebt, was sie geglaubt hat.

Dietrich Redecker


In der TZI-TZeitschrift ausgabe 1/2002 beschieb Annedore Schultze die Anfänge der TZI in Vlotho. Dazu der Auszug als PDF zum Download:

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