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Erinnerungen an Günter Hoppe

Rita Horstmann

Ich habe Günter in den ersten Monaten meiner Tätigkeit als Pfarrerin kennengelernt. Er hatte – im Herbst 1971 – einen ersten TZI-Kurs im Fortbildungsprogramm der Ev. Kirche im Rheinland angeboten und uns Teilnehmende mit seiner Begeisterung angesteckt. Wie hilfreich belebend die TZI für die Gemeindearbeit sein konnte, wurde sofort klar. Und so haben wir gleich im Jahr darauf Günter für einen Kurs für Verantwortliche in der Gemeinde gewonnen. Und in den Jahren 1973 – 1975 bot Günter den ersten 6-Wochen-Kurs für PfarrerInnen an, und ich war dabei. In dieser Zeit wurde mir klar, dass die TZI für mich die Überlebenshilfe in diesem Beruf war. Ich erlebte eine persönliche Befreiung von festgelegten theologischen Vorstellungen und lernte immer besser, im Kontakt mit Einzelnen und Gruppen meiner Intuition zu folgen – und das verdanke ich Günter. Seine überraschenden Einfälle und sein freier und tiefgründiger Umgang mit Glaubensthemen hatte unmittelbar befreiende Wirkung auf mich. Und das hörte nicht auf über all die Jahre seither.

1974/75 begann Günter – bis zu seiner Pensionierung 1990 in der Ev. Beratungsstelle und danach in der Ev. Stadtakademie Düsseldorf - mit einer Seminarreihe, die bis heute weiterlebt. „Wachstum der Persönlichkeit und des Glaubens“ ist die Überschrift, unter der philosophische und persönliche Lebens- und Glaubensfragen in der Gruppe angesprochen und mithilfe von gemeinsamer Traumdeutung vertieft werden. Für mich war diese Gruppe über meine gesamte Dienstzeit und darüber hinaus ein verlässlicher Ort von Reflexion und Supervision. Im Frühjahr dieses Jahres hat Günter noch an allen Terminen des Seminars teilnehmen und mit seiner großen Präsenz und seinen aus der Tiefe kommenden Einfällen bereichern können.

Dann konnte er nicht mehr ohne Hilfe allein sein in seinem Haus, und ich bin bei ihm geblieben. Den ganzen Sommer über brauchte er ständige Unterstützung und schließlich Pflege, auch von professionellen Helferinnen. Auch in seiner immer wachsenden Schwäche blieb er offen für die Menschen, die zu ihm kamen oder am Telefon mit ihm sprachen, und interessierte sich für die und ihr Leben. Ich habe das mit Staunen und Dankbarkeit miterlebt

 

Nach ersten, nicht ausreichend praktikabel erscheinenden Erfahrungen mit gruppendynamischen Arbeitskonzepten hatte der promovierte Philosoph 1970 in Ulm auf einem Kongress die TZI kennen gelernt. Über seine geistige Entwicklung und Grundsätze berichtete er in einem Interview in unserem Vereinsinfo 1988, hier herunterzuladen. Von der gesellschaftspolitischen Wichtigkeit der TZI überzeugt, stellte er 1994 ein drittes Postulat zur Diskussion: „Setze Dich mit Deiner äußeren Welt, Deinem Globe um Dich herum und seinem Abbild in Dir auseinander. Greife ein und verändere, was Du im Sinne der Humanisierung verändern kannst!“ Ruth Cohn war damit allerdings nicht einverstanden und verwandelte den Vorschlag zu größerer Allgemeingültigkeit in die Formulierung: „Verantworte dein Tun und Lassen – persönlich und gesellschaftlich!“

 

Dietrich Redecker

Ach ja, wieder ist einer aus der Gründergeneration von TZI und WILL / RCI
gestorben.
Ich erinnere mich noch genau an meine erste Begegnung mit Günter zum
"Eintrittskolloquium" im Herbst 1975 in Remagen.
Schon 1976 bin ich in den maßgeblich von Günter gegründeten Verein "WILL
Rheinland" eingetreten. Ich habe Günter als den führenden Kopf kennen
gelernt und in Erinnerung. Er hatte viele Ideen, nahm aber auch die Ideen
der anderen auf und ermunterte zum Experimentieren.
Neben dem Vorstand gab es eine AK, die aber noch nichts zu sagen hatte.
(Entscheidungen fielen nur in der internationalen AK, in der Günter- meiner
Erinnerung nach - auch Mitglied war).
Daneben gab es eine OK (Organisationskommission), aus der der Gedanke der
ATWs geboren wurde.
Zentrum von WILL Rheinland war die Beratungsstelle der evangelischen Kirche
in dem schönen alten Haus in Oberkassel am Rheinufer, die von Günter
geleitet wurde. 
1980 gab Günter den Vorsitz des Vereins ab, blieb aber eine sich
gelegentlich einmischende "Instanz" ohne jeden "Personenkult".
Vor allem lag ihm die politische Dimension der TZI am Herzen.
Einen größeren Vorstoß in diese Richtung unternahm er noch einmal in den
80er Jahren, als er sich mit "misch dich ein" für ein drittes Postulat
einsetzte, ja dafür kämpfte, jedoch sich (auch gegen den Widerstand von Ruth
Cohn) nicht durchsetzen konnte.
Irgendwann blieb er auch der Graduiertenkonferenz fern.
Jetzt hat er sich völlig von uns verabschiedet.
Ich behalte ihn als ermunternde und ermahnende Autorität in Erinnerung!


Rena Krebs

Günter Hoppe war für mich die Brückenpersönlichkeit zur TZI und Ruth Cohn. Bei einem Interessententreffen im Sommer 1974 berichtete er uns Gästen mit beinahe verklärter Miene, wie er von den Seminaren mit Ruth Cohn inspiriert worden sei und was es für sein Team bedeute, TZI erlebt zu haben. Diese Begeisterung sprang auf uns unbedarfte Gäste über und weckte Neugier und Skepsis zugleich. Eine Sekte?? Auf jeden Fall meldete ich mich zu einem 5-tägigen Seminar bei Günter im Herbst 74 an (7 Frauen und Günter!) und kam aufgewühlt und erschüttert nach dem Kurs in meine große Familie zurück. Es war eine Initialzündung für beinahe 40 Jahre Arbeit mit TZI, für einen Beruf, den ich mir vorher nicht hätte ausdenken können. Viele Jahre intensiver Vereinsarbeit in Will Rheinland, das unter Günter gegründet wurde, folgten. Günter war ein mitreißender Gruppenleiter, vor allem auch im Bereich Psycho-Politik und Philosophie. Ich habe später noch einige Seminare bei ihm besucht. Fazit:  Günter ist der erste mich inspirierende glaubwürdige "Zeuge" einer Botschaft, die Ruth in jenen Jahren von Amerika zu uns gebracht hat. Die Gründerzeit mit dem Zentrum in Oberkassel bleibt als etwas Besonderes "auf der Festplatte meiner Seele".  Vor einem Jahr habe ich das letzte mal nach dem Tod von Christina Kleinen mit Günter telefoniert. 

Ingrid Jungmann

Lang, lang ist es her. Als ich im Rahmen von Initiativen in einem Neubaugebiet in Essen - wir wollten Kindergartenplätze für unsere Kinder erkämpfen - aktive Sprecherin der Gruppe wurde, lernte ich Paul Ludwig kennen. Über ihn kam ich zu Veranstaltungen mit Ruth Cohn in der Essener Uni. Es waren damals in den 70er Jahren auch für uns sehr lebendige Zeiten mit viel Bürgerbeteiligung. Unser Gemeindepfarrer - Dr. Holm Roch - kannte auch schon die TZI. Ich ging als Delegierte der kleinen Essener TZI-Gruppe zu den Treffen der Graduierten bzw. es gab neben den Graduierten noch die Gruppe Ausbildungskommission und die Gruppe Entwicklungskommission. Treffpunkt war die Ev. Beratungsstelle in Düsseldorf, in der Günter Leiter war. Ich war kurze Zeit später fünf Jahre lang für das halbjährlich erscheinende Seminarverzeichnis von WILL-Rheinland e.V. zuständig. Viele vorbereitende Treffen fanden mit den Lehrbeauftragten in der Beratungsstelle statt. (Ich habe mindestens fünf Jahre in der Region ehrenamtlich mitgearbeitet, ohne Mitglied zu sein, weil ich immer noch prüfen musste, was ist das eigentlich für ein Verein? Was wollen diese Leute? ) Ich habe Günter als Motor und Vorantreiber von WiLL-Rheinland e.V. erlebt. Sein Engagement für die TZI war wirklich außergewöhnlich. Günter hat mich inspiriert durch seine Klarheit und Direktheit, die manchmal auch etwas schroff sein konnte. Das genau habe ich von ihm gelernt. Er hat mich ermutigt, auch als Nichtakademikerin, den Weg in die TZI-Ausbildung zu gehen. Er hat dazu beigetragen, dass ich meine zweite Sozialisation angetreten habe. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.

Sri Rosenkranz

Lieber Günter,

1996 sagtest Du einmal: „Alles ist gebunden an Zeiten“

mein Kommentar dazu an eine Freundin: „Liebe Gisela,

 eines Tages werden wir diesen Satz  verstehen.“

Nun ist es da, das Verständnis, lieber Günter.

Du hast uns, Deinen ‚Mitgeborenen’  so viel hinterlassen,

dass wir überlegt, demokratisch, liebes- und arbeitsfähig

wären bei Beherzigung.

Ich bin sicher, dass jede und jeder, der Dich erlebt hat,

oft an Dich denkt. Die meisten in Liebe. Wo immer Du auch bist.

 

                                                 Si Rosenkranz

  Mitglied der Gruppe OIKOS, die von Günter so genannt wurde.  

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